Das historische Gebäude der ehemaligen Königstorkaserne in Neuruppin

Zum 15.01. bzw. 01.06.2002 haben die Staatsanwaltschaft und das Landgericht Neuruppin ihren Dienstsitz in das Hauptgebäude der ehemaligen Königstorkaserne verlegt.

In der Zeit von 1880 bis 1883 nach Entwürfen des Garnison-Bauinspektors Meyer für das erste Bataillon des 4. Brandenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 24 erbaut, gehörte die Königstorkaserne zu einer Kette historischer Militärgebäude und Kasernenanlagen im südlichen Bereich der gründerzeitlichen Stadterweiterung Neuruppins in unmittelbarer Nähe der historischen Altstadt.

Das Areal, auf dem sich auch das wenige Meter entfernte Garnisonslazarett (heute Sitz der Stadtverwaltung der Fontanestadt Neuruppin) befand, zeichnete sich insbesondere durch seine verkehrsgünstige Lage aus: Hier führte die ausgebaute Kreischaussee über Fehrbellin bis nach Berlin und der Paulinenauer Bahnhof markierte den Bahnanschluss, der die Stadt mit der Berlin-Hamburger Bahnstrecke verband.

Das Hauptgebäude der Königstorkaserne stellte das größte der Neuruppiner Militärgebäude dar. In dem dreigeschossigen, vollständig unterkellerten Sichtmauerwerksbau bilden Mitteltrakt, zwei Verbindungsflügel sowie Nord- und Südflügel insgesamt fünf Gebäudeabschnitte, deren Grundriss ein Doppel-T bildet. Der im Bereich der vorspringenden Bauteile angeböschte Sockel, das gequaderte Sockelgeschoss sowie die abgerundeten Treppentürme und der Zinnenkranz prägen den Charakter des Gebäudes, dessen Haupteingang durch einen antikisierenden Portikus mit Sandsteinhelmen hervorgehoben wird.

Durch die Umsiedlung des Neuruppiner Bataillons nach Greifswald verlor ein großer Teil der Militärgebäude im Jahr 1920 zunächst seine Funktion. In der ehemaligen Königstorkaserne wurden Finanz- und Versorgungsamt untergebracht, wobei in dem Gebäude auch Wohnungen für Behördenangehörige und ihre Familien geschaffen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude von der sowjetischen Armee genutzt, deren Rückführung im Jahr 1991 die Geschichte des Militärstandortes Neuruppin beendete.

Die Umnutzung des Gebäudes und die erneute Kasernennutzung durch die Rote Armee hinterließen deutliche Eingriffe in der historischen Bausubstanz. Die vernachlässigte Bauunterhaltung der letzten Jahre der militärischen Nutzung und der folgende Leerstand, führten zu nachhaltigen Schäden und machten eine 1994 - zunächst nutzungsneutral - beginnende umfassende Instandsetzung erforderlich, in deren Verlauf von 1997 bis 2002 das Justizzentrum Neuruppin mit dem Sitz von Landgericht und Staatsanwaltschaft hergerichtet wurde.