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04.02.2020

Schicksale jüdischer Juristinnen im Landgericht Potsdam

Ausstellung LG Potsdam
Ausstellung LG Potsdam

Etwa 90 Gäste, darunter die Vizepräsidentin des Landtages, Barbara Richstein, Bürgermeister Burkhard Exner, die Präsidentin des Landessozialgerichts Berlin/Brandenburg, Sabine Schudoma, viele weitere Leiter/-innen von Justizeinrichtungen und Gleichstellungsbeauftragte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger hatten sich zur Eröffnung der Wanderausstellung „Jüdische Juristinnen – Juristinnen jüdischer Herkunft“ im Justizzentrum Potsdam eingefunden.

Die Ausstellung wird im dortigen Saaltraktbereich noch bis Ende Februar 2020 zu sehen sein, bevor sie dann im Bundesjustizministerium im Berlin gezeigt wird. Die ebenso informative wie berührende Schau gibt auf großen Text-Tafeln Informationen über das Schicksal von 17 jüdischen Juristinnen der ersten Generation. Sie hatten es vor 1933 schwer genug gehabt,  den Zugang zum Anwalts- bzw Richterberuf zu erstreiten. Erst seit 1922 bestand für sie überhaupt die Möglichkeit, das juristische Assessorexamen abzulegen. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung sahen sie sich Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Drei der 17 Juristinnen, an die die Ausstellung erinnert, wurden in Konzentrationslagern ermordet. Andere waren gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und mussten in der Emigration versuchen, beruflich Fuß zu fassen. Einige konnten nur überleben, indem sie sich versteckten, so etwa Erna Scheffler, die spätere erste Richterin am Bundesverfassungsgericht, die sich seit Januar 1945 in einem Gartenhäuschen außerhalb Berlins verborgen hielt, wo sie das Kriegsende abwartete. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland wurden den Juristinnen oftmals erneut Steine in den Weg gelegt und ihre Anträge auf Wiedereinstellung in den Dienst und Wiedergutmachung abschlägig beschieden.

Die Ausstellung ist vom Deutschen Juristinnenbund (DJB) initiiert worden, dessen Präsidentin, Frau Prof. Maria Wersig, ein Grußwort hielt. Sie zeigte sich sehr erfreut darüber, dass sich eine Schülergruppe aus einem Potsdamer Gymnasium bereits vor Eröffnung der Ausstellung für eine Führung interessiert und angemeldet hat. Die Bundesgeschäftsführerin des DJB, Anke Gimbal, gab einen hoch informativen Überblick über die Situation der jüdischen Juristinnen und die Bemühungen des DJB, über ihr Schicksal zu informieren und sie dadurch zu ehren. Landgerichtspräsidentin Dr. Ellen Chwolik-Lanfermann hob hervor, dass auch mit dieser Wanderausstellung, ebenso wie mit der im Justizzentrum Potsdam seit Anfang 2019 als Dauerausstellung gezeigten Ausstellung „Verfolgte jüdische Juristen im Landgerichtsbezirk Potsdam“ gerade durch die Justiz ein Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus gesetzt werden solle.

Die Namen der 17 Juristinnen, über deren Biographien die Ausstellung informiert, wurden durch 16 im Landgericht Potsdam tätige bzw. tätig gewesene Richterinnen bzw. die Direktorinnen der Amtsgerichte des Landgerichtsbezirks Potsdam sowie den Vizepräsidenten des Landgerichts Potsdam, Stephan Mracsek, der am 23. Januar dort seinen Dienst angetreten hat, verlesen.

Die Ausstellung ist – bei freiem Eintritt – während des Monats Februar von montags bis freitags von 08.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen. Das vom DJB herausgegebene und im renommierten Beck-Verlag erschienen  Buch zur Ausstellung ist auf Anfrage im Vorzimmer der Landgerichtspräsidentin verfügbar.

Führungen, auch für Schülerinnen- und Schülergruppen, können gern unter verwaltung@lgp.brandenburg.de vereinbart werden.

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Datum
04.02.2020
Rubrik
Landgericht Potsdam - Veranstaltungen
Datum
04.02.2020
Rubrik
Landgericht Potsdam - Veranstaltungen